Die Diagnose "Leistenhernie" erfolgte früher in erster Linie aufgrund der klinischen Untersuchung des "Tastbefundes". Der sogenannte "Provokationstest" beinhaltet die Untersuchung im Stehen bei gleichzeitgem "Husten" des Patient. Sehr kleine Brüche können durch den Tastbefund nicht festgestellt werden. Bei der Sonographie sollte grundsätzlich die Untersuchung im Stehen und im Liegen erfolgen, ebenfalls unter "Provokationstest" mit Husten und Pressen, was die Signifikanz der Untersuchung erhöht. 70-80% aller Hernien sind im Liegen sonographisch nicht mehr nachweisbar, weil sie spontan reponieren. Ein größerer Leistenbruch macht sich häufig durch eine spontane Vorwölbung in der Leistenregion bemerkbar - der Patient bemerkt eine "Vorwölbung". Diese Vorwölbung verschwindet meist im Liegen, sofern der Bruch noch nicht eingeklemmt ist. Bei "Einklemmung" treten starke Schmerzen auf, die mitunter auch wieder spontan verschwinden können, nämlich wenn der "Bruchinhalt"= Darm/Bauchfett wieder in den Bauchraum zurückfindet.

Generell haben Männer häufiger einen Leistenbruch als Frauen, das hängt mit der Anatomie der Leistenregion zusammen. Prinzipiell gibt es unterschiedliche Operationsmöglichkeiten das offene Verfahren oder das endoskopische Verfahren.

Bei den offenen Verfahren gibt es unerschiedliche Möglichkeiten: Bassini Methode, Shouldice-Methode, Plugmethode/Rutkow-Verfahren. Bei der Plugmethode wird ein Netz als "Platzhalter"  in den Defekt eingeschoben werden, ohne das der Fasciendefekt geschlossen wird.

Bei den endoskopischen Verfahren, wie TAPP und TEP, wird der Defekt überbrückt durch ein Netz, ohne das der Fasciendefekt geschlossen wird. Dies beinhaltet drei Risiken:

I. Kontakt des Darms mit dem Netz (Briden, Ileus,Darmperforation)
II. Netzdislokation (Ileus, Darmverwachsung mit dem Netz, Briden, Darmperforation)
III. Verletzung von Bauchorganen (Gefäße, Darm, Milz, Hodengefäße etc.)

Bei den endoskopischen Verfahren  TAPP/TEP wird der Fasciendefekt wird mit dem Netz überbrückt, und nicht primär verschlossen mit körpereigenem Gewebe.

Die Fixierung des Netzes erfolgt über "Tucker"/ Clips, diese können aber abrutschen. Clips werden aus Titan oder resorbierbarem Material hergestellt. Die Fixierung des Netzes kann aber auch über Fibrinkleber erfolgen, oder sie werden "schlicht" eingelegt ohne Fixierung. - Die Fixierung des Netzes ist also nicht sicher gestellt. 

Bei den endoskopischen Verfahren, wie TAPP und TEP, treten aber auch andere Komplikation auf die beim offenen Zugang nicht möglich sind, weil aus einem Bauchwandeingriff ein Bauchhöhleneingriff wird. Der "Perimed-Bogen" zur OP-Einverständniserklärung beinhaltet diese: Verletzungung von Gefäßen und Bauchorganen (Darm/Harnblase/Milz etc.) wie auch Hodengefäße, wie auch Erzeugung eines "Pneumothorax". Es handelt sich dabei um Komplikationen, die tödlich enden können.

Das Operationsverfahren bei mir zielt darauf ab, die Bruchlücke zu verschließen mit einer Fasciennaht und mit einem Netz spannungsfrei zu verstärken, wobei das Netz in fortlaufender Nahttechnik fixiert wird. Das Netz hat somit keinen Kontakt zum Darm, eine Netzdislokation ist ausgeschlossen aufgrund der Nahtfixierung. Die Wahl der Netzgröße hängt von multiplen Faktoren ab: Defektgröße und Materialbeschaffenheit des Fascie. Das Prinzip der Reparation beinhaltet bei mir, einen "Spannungsfreien Verschluß" zu erzielen. Die Implantation von einem Netz ist nach heutiger Auffassung bei Patienten mit "Rezidivhernien" Methode der Wahl, bei mir wird sie aber auch beim "Ersteingriff" eingesetzt, da die Rezidivquote damit bei < 0,5% liegt. Grundsätzlich spielen im Einzelfall auch noch andere Faktoren wie z. B. Beruf und Sport eine Rolle. Der Vorteil des Netzes liegt in der relativ frühen vollen Belastbarkeit, konkret nach ca. 14 Tagen ist leichtes Lauftraining/Fahrradfahren/Schwimmen etc. möglich. Aber auch das Netz muß "Einheilen" und von körpereigenem Bindegewebe durchbaut werden, so ist die Phase der vollen Reparation bei ca. 2 Monaten zu sehen. Generell ist die Netzimplantation sinnvoll, wobei inzwischen soviele unterschiedliche Implantate zur Verfügung stehen, das der Überblick für den Laien schwierig wird. Generell empfehle ich teilresorbierbare Implantate, wobei Porengröße und Elastizität eine Rolle spielen und die Biokompatibilität besser ist. Nichtresobierbare Netze werden von mir nicht mehr implantatiert.

Info

Für die Nachbehandlung entscheidend ist, dass mit Kraftsport, Bauchmuskeltraining und Anheben schwerer Lasten erst nach 2 Monaten begonnen werden darf, damit keine Spannung in der Nahtregion entsteht. Laufsport, Fahrradfahren, Skifahren, Schwimmen können im Normalfall in der Regel nach 14 Tagen begonnen werden.